Ludwig zerull , kunstkritiker , hannover

Vernissagetext in der galerie artforum , hannover  1997


Assmanns Arbeit beschäftigte sich von Anfang an mit dem Menschen und beurteilt diese menschliche Existenz - wie man sieht - nicht eben günstig. Keine Spur von Lebensoptimismus, höchstens Hinweise aufs nackte Überleben. In keinem Fall nimmt Assmann den Menschen als »die Krönung der Schöpfung« in Anspruch oder in Schutz. Und er macht uns das zeitweise mit seinen gar nicht realistischen Bildern klar. Denn Hans-Georg Assmann zeichnet Leiber. Oder zeichnet er Landschaften? Der Mensch ist seine Landschaft, eine zerrüttete, eine tektonisch wie Erdaufrisse, Erd-Aufbrüche geordnete. Eine zerstörte Landschaft. Rotbraun oder Grau-Blau sind seine wenigen farbigen Andeutungen. Aber seine Zeichnung konturiert nicht diese Körper, genausowenig wie seine Farben colorieren. Seine Menschen sind Schlachtfelder. Seine Landschaften »killing floors«. Seine Torsi sind Fleisch-Stücke und skelettierte Erdformationen. Seine Titel halten dieses Aussage-Gleichgewicht ebenso vage in der Schwebe, wie seine suchenden Zeichenstriche das entstandene Kunstwerk unvollendet lassen. »Es lebe tot« - dieser Satz, der das Unvereinbare in einem Bild einmal in eine metamorphe Ambivalenz faßte, sagt auch über die künstlerische Schwebe seiner Blätter und Bilder viel. Der suchende, nie eindeutige Strich, der für Assmanns Zeichnungen so charakteristisch ist, findet seine Entsprechung in der Uneindeutigkeit des Menschenbildes. Die Zeichnungen, kräftig im Körperaufbau, konstruktiv in mit dickem Graphit gezeichneten Strichen, wirken gebrochen. Stets nur Bruchstücke vom Menschen, zusammengeflickt und zusammengehalten vom großen Strich der Überzeichnung. Situationen, die unsere Empfindung im Zustand des Erschreckens über diese Welt in der wir leben, festhalten. Die fragmentarisch erscheinenden Zeichnungen mit Öl, Acryl, Graphit, Kreide, Asphalt, Rötel oder Deckweiß mit Klebstoff oder Tesafilm zu Bildern gemacht, sind sinnliche Erzählungen von einer Erotik, die auch das Animalische nicht ausspart. Den Arbeiten dieses Künstlers sieht man sein Mitleiden an, ohne daß dies zu betrachten uns wirklich irgendwie störte. Assmann tut alles, was er zeichnet, virtuos... doch nie fehlt die Glaubwürdigkeit.